
Vortragsreihe
„HERRSCHAFT UND WIDERSTAND – Perspektiven auf eine Welt am Abgrund“
Aktuelle Termine
20.05 – 19 Uhr – ZeWi
Die neue AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“ in Franken
Katharina Fuchs (Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus)

Im November 2025 wurde in Gießen die Jugendorganisation „Generation Deutschland“ (GD) als Nachfolge der aufgelösten „Jungen Alternative“ gegründet – begleitet von massiven Protesten und Straßenblockaden tausender Antifaschist:innen. Die neue AfD-Jugendorganisation soll eng in die Strukturen der Partei und deren Kontrollmechanismen eingebunden sein und hat zum erklärten Ziel, junge Parteimitglieder zu rekrutieren und ideologisch zu schulen.
In den letzten Monaten gründeten sich deutschlandweit GD-Landesverbände, in Bayern war dies bereits im Dezember 2025 in Greding der Fall. Dabei stellte der rechtsextreme – inzwischen zum Vorsitzenden der GD-Bayern – gewählte Franz Schmid, MdL von Anfang an klar, dass der neue Landesverband unter seiner Führung nicht vom radikalen Kurs der Vergangenheit abzurücken plant. Diese Haltung spiegelt sich auch in Teilen in den Personalien des neuen Landesvorstands wider. Diese verkörpern die organisatorische Nähe zur AfD sowie zum rechtsextremen Vorfeld der Partei und stellen somit die Kontinuität der neuen GD im rechtsextremen Milieu der ehemaligen „Jungen Alternative“ sicher.
In Gießen und Greding beteiligte sich an den GD-Gründungen ebenfalls eine neue, aktive und gut vernetzte Gruppe von Jung-AfDlern aus Franken. Deren Positionen und Rollen im Netzwerk zwischen AfD, „Generation Deutschland“ und Organisationen des rechtsextremen Vorfelds werden im Vortrag beleuchtet.
28.05 – 19 Uhr – ZeWi
Rojava: Eine Graswurzelrevolution
Manuel Leitlauf, Passar Hariky

Die Rojava-Revolution ist in linken Kreisen bekannt als das wohl erfolgreichste demokratische, sozialistische und feministische Projekt in der von Islamismus, Autokratie und Kriegen geprägten SWANA-Region (alternativ, aber weniger politisch korrekt: Naher Osten). Die Bilder der kurdischen Kämpfer*innen, die ihre Heimat gegen den Terror des Islamischen Staats verteidigten und versklavte Frauen befreiten, gingen 2014 um die ganze Welt.
Doch wie kam es dazu, dass sich im syrischen Bürgerkrieg, in dem progressive Kräfte schnell unter die Räder gerieten, in den kurdischen Siedlungsgebieten im Norden eine graswurzeldemokratische Alternative herausbildete? Und was ist der „demokratische Konföderalismus“, die Ideologie, auf der die Revolution in Rojava fußt? Diese grundlegenden Fragen sollen im Vortrag geklärt werden. Weiter soll beleuchtet werden, mit welchen Herausforderungen und Hindernissen das Projekt Rojava konfrontiert wurde.
Mit dem Sturz Assads durch eine Offensive des ehemaligen al-Qaida-Kommandeurs al-Jawlani aka Ahmad al-Shara’a wurden die Karten in Syrien neu gemischt. Der neue Machthaber, der in den ersten Monaten seiner Herrschaft für zwei große Massaker an Minderheiten verantwortlich ist, erhielt Rückendeckung von NATO-Staaten. Die Opfer der SDF im Kampf gegen den IS waren vergessen. Dies erlaubte al-Jawlani, Druck auf Rojava auszuüben, was im Januar 2026 in einer Offensive gipfelte. Die Führung Rojavas war gezwungen, Forderungen nach Autonomie weitgehend aufzugeben. Auch wenn einige Zugeständnisse gesichert werden konnten, stellt sich nun die Frage: Wie geht es weiter mit Rojava?
28.05 – 19 Uhr – ZeWi
the worst is yet to come – Aktuelle migrationspolitische Entwicklungen in BRD und EU
Johanna Böhm (Bayerischer Flüchtlingsrat)

Am 12. Juli 2026 tritt die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) in Kraft. Sie bedeutet die weitreichendste Verschärfung des europäischen Asylrechts seit den 1990er Jahren. Mit beschleunigten Grenzverfahren in haftähnlichen Lagern droht eine massive Aushöhlung des Rechts auf Asyl. Dabei ist die GEAS-Reform kein Bruch, sondern die Zuspitzung einer Politik, deren Maßnahmen längst praktisch umgesetzt werden.
Auch die wiedereingeführten Grenzkontrollen in Deutschland stehen massiv in der Kritik. Viele Gerichte, darunter der Europäische Gerichtshof, halten diese Maßnahmen für rechtswidrig. Dennoch hält Innenminister Dobrindt an seinem Kurs der Abschottung fest. All das geschieht in einem politischen Klima, in dem rechte und autoritäre Kräfte an Einfluss gewinnen. In Deutschland erreicht die AfD weiterhin hohe Zustimmungswerte, rassistische Gewalt verzeichnet immer wieder neue Höchststände. Trotz der Tragweite der Entwicklungen blieb breiter gesellschaftlicher Protest bislang weitgehend aus.
Der Vortrag des Bayerischen Flüchtlingsrats gibt einen Überblick über die GEAS-Reform und ihre Umsetzung in deutsches Recht. Gemeinsam wollen wir die Angriffe auf das Asylrecht im Kontext rechter Entwicklungen einordnen und diskutieren, welche Formen von Widerstand und Solidarität jetzt notwendig sind.

